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Universität von Kalifornien, Davis


Die neue Pangäa
Von: Brian Riley
Übersetzung von Melanie Stanek, veröffentlicht: 18.07.2013 um 11:20h MEZ
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Es liegt ein neuer Wind der Einheit in der Luft, wehend durch unsere heiligen Hallen, der seinen Weg zum Universitätshof findet, wo sich unzufriedene Studenten treffen, schlängelt sich zwischen uns, wickelt sich um die Muster unserer Gedanken, während wir zusammen arbeiten um neue Denkmuster und neue Beweggründe zu gestalten.

Was sind die Ziele unserer gegenwärtigen Zeit? Wir suchen Einheit, während wir gleichzeitig das Besondere der Diversität erkennen, und ebenso kulturelle Bestätigung, während wir einen pluralistischen Sozialplan begrüßen.

Kann es eine Einheit in der Diversität geben? Columbus brachte zwei „Welten“ zusammen, mit allen Störungen die dieser Zusammenstoß zur Folge hatte. Wie würde die Welt heute aussehen, wenn diese zwei Welten koaliert hätten, anstatt zusammenzuprallen?

Vielleicht sollte „Columbus Day“ zum Tag der philosophischen Reflexion erklärt werden und in „Seeking the Big Picture Day“ umbenannt werden.

Kulturgeographen sagen uns, dass Krieg in vergangenen Zeiten eine gebräuchliche Methode für den Erwerb und Erhalt von Lebensraum und Ressourcen war. Manche Neoliberale könnten sagen, dass es einen Übergang vom physischen zum ökonomischen Krieg gab, von dem auf lange Sicht alle profitieren. Aber wofür konkurrieren wir in einer wettbewerbsgeprägten Welt, in der Reichtum ausschließlich in monetären Einheiten gemessen wird und soziale Verantwortung zu Gunsten der Eigenverantwortung der Käufer gemünzt wird?

Niemand hat alle Antworten, aber eine Sache ist sicher. Unser derzeitiges politisches System ist moralisch korrumpiert und gestört in seiner Wirkung. Es kann nicht so weiter machen wie bisher.

Etwas Großes entsteht gerade. Studierende protestieren überall auf der Welt und der Status Quo bröckelt langsam ab. Das Internet wird seinem Namen wirklich gerecht, in dem es der ganzen Welt erlaubt langsam im Geist zusammen zu kommen – ein aufkeimender Geist der Einheit.

Man könnte es vielleicht eine „Neue Pangäa“ nennen, aber der neue Superkontinent wird im vereinigten intellektuellen, moralischen und politischen Bereich des Immateriellen existieren, sogar während wir die Wichtigkeit des tatsächlichen physischen Platzes und der Notwendigkeit des Lebens im Hier und Jetzt auf den physischen Kontinenten erkennen.

Sonntag, der 10. 10. 10, wurde vom Exploratorium Science Museum in San Francisco zum „Powers of Ten Day“ erklart, zu Ehren von Charles und Ray Eames, die den berühmten Film „Powers of Ten“ produziert haben. Der Film beginnt mit der Darstellung eines Mannes, der ein Nickerchen auf einer Picknickdecke hält, zoomt dann nach zehnfachem Skalierungsfaktor heraus, um unseren Platz im Universum zu zeigen.

Wenn die Filmmacher fähig gewesen wären horizontal anstatt vertikal zu zoomen, um die verwobene Komplexität des Lebens auf der Erde in visueller Form zu zeigen, wäre es vielleicht einfacher für die Menschen dieser Welt die Natur des physisch-mentalen Platzes, den wir alle zusammen bewohnen, wertzuschätzen.

Wie schon de Tocqueville erklärt hat, sind wir alle frei innerhalb der „Kreise“, die wir um uns selbst drehen, aber außerhalb des Kreises sind wir weder vollkommen unabhängig noch völlig frei. Alles, was wir in der Interaktion mit anderen oder der Umwelt tun, hat Konsequenzen für die Welt und jeden, der auf ihr lebt.

Wenn sich unbeabsichtigte Konsequenzen anhäufen und drohen unsere sich entwickelnden und verändernden Formen der sozialen Homöostase zu unterbrechen, dann können korrigierende Berichtigungen nur von einem demokratischen Konsens derer erreicht werden, die in oder nahe der Szene sind.

Daher macht es Sinn, dass protestierende Studierende in Europa nach „Basisdemokratie“, d.h. Demokratie von der Basis nach oben, verlangen. Es ist ein politischer Rahmen darin, der durch variierende Grade von internen demokratischen Prozessen von allen sozialen Institutionen gegenseitig durchdrungen werden kann, mit allem was in einem vernetzten Rahmen von Recht und Gerechtigkeit eingebettet ist. In Bezug auf die Anwendbarkeit speziell an Universitäten ist es ein Konzept, das weit über das Konzept von Shared Governance hinaus geht.

Shared Governance ist ein einzigartiges Konzept - speziell im Fall von höherer Bildung anwendbar - das berücksichtigt, dass es Professoren erlaubt sein sollte sich selbst bezüglich der akademischen Natur ihrer Arbeit zu regulieren, da nur sie diese Angelegenheiten korrekt und effektiv beurteilen können. Bedauerlicherweise ist die Frage, wie Studierende in das Konzept von Shared Governance an der Universität als Ganzes hineinpassen könnten, in den vergangenen Jahrzehnten mehr oder weniger hinten angestellt worden.

In einer öffentlichen Universität sind Studierende nicht nur Teile der Universität, wir sind auch Bürger unserer umfassenden demokratischen Gesellschaft und daher doppelt belastet. Und wenn wir in einer Einheit um den Campus marschieren, ist es wichtig das große Ganze zu sehen. Solche Märsche repräsentieren das hervorbrechende Magma der fortschreitenden intellektuellen und politischen tektonischen Plattenverschiebung unserer Zeit und kann nicht ignoriert werden. Aufgepasst, Rektoren!

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